Beziehung zu Kindern nach der Scheidung

Sehr geehrte Damen und Herren!
Habe mich ein wenig auf vordermann.at umgesehen und die Anfrage-Seite angeklickt. So ist mir die Idee gekommen, einmal bei Ihnen anzufragen welche Ratschläge Sie mir geben für folgendes Problem:
Kurz zu meiner Person: Mein Name ist G.G. und bin seit 2 Jahren geschieden, lebe aber schon seit 4 Jahren getrennt. Habe 2 Kinder Sohn 16 und Tochter 17. Der Sohn arbeitet als Textiltechniker Lehrling seit einem Jahr. Der Beruf gefällt ihm sehr gut. Die Tochter ist bei meiner Ex-Frau zu Hause und hat einen Sohn. Sie will im September wieder in die Schule und einen Beruf erlernen was aus meiner Sicht sicher möglich ist und mich sehr freut. Sie hat auch einen Freund der aber nicht der Kindesvater ist.
Ich habe die Situation akzeptiert, doch was ich gerne hätte ist eine bessere Beziehung zu den Kinder. Ich weis auch dass die Zeit für die Kinder da ist, wo sie Ihre eigenen Wege gehen und ich lasse sie auch gehen. Doch würde ich mich freuen, wenn meine Kinder bei mir ab und zu vorbeikommen und mir erzählen wie es Ihnen geht, was sie tun, welche Probleme sie haben usw. Da ich letzte Zeit nicht mehr aus mir heraus den Kontakt pflege, gibt es Monate wo ich meine Kinder nicht sehe. Ich habe bewußt meine Bemühungen für den Kontakt meiner Kinder zurückgeschaltet, da ich festgestellt habe, dass eigentlich nur ich die treibende Kraft für eine Beziehung der Kinder und mir bin. Ich merke nur, wenn meine Kinder irgendetwas brauchen so wissen sie immer wo ich wohne! Ich empfinde jetzt nicht schlechtes daran, doch hätte ich gerne das Gefühl, dass meine Kinder nicht nur in dieser Situation zu mir kommen. So stellt sich jetzt die Frage: Was würden Sie in meiner Situation tun, um diese Beziehungs-Situation meiner Kinder gegenüber zu ändern?
mit freundlichen Grüßen

 

Sehr geehrter Herr G.,
Ihre Situation kann ich sehr gut nachvollziehen und es geht vermutlich vielen Vätern so, auch nicht geschiedenen. Sehr gut verstehe ich Ihren Wunsch: „Ich würde mich freuen, wenn meine Kinder bei mir ab und zu vorbeikommen und mir erzählen wie es Ihnen geht, was sie tun, welche Probleme sie haben usw.“ Nicht selten haben Väter das Gefühl – ob berechtigt oder nicht – sie wären nur die wandelnde Geldtasche und die Kinder kämen nur, wenn sie daraus etwas bräuchten.
Zu Ihrer Anfrage habe ich ein paar Ideen und vielleicht ist eine dabei, die Ihnen etwas weiterhelfen kann.
Zuerst musste ich an mich selber denken. Ich hatte ein sehr gutes Verhältnis zu meinem Vater, aber, wenn ich ehrlich bin, bin ich mit 16 (auch ohne Scheidung) nicht mehr zu ihm gegangen und habe ihm erzählt, wie es mir geht, was ich tue, welche Probleme ich habe usw. Solche Gespräche habe ich viel mehr mit Gleichaltrigen oder mit meinem Tagebuch geführt. Manchmal hat es solche Gespräche auch mit meinem Vater gegeben, aber dann haben sie sich „ergeben“, wenn wir gemeinsam auf einem Berg waren, ich ihm im Atelier helfen konnten o.ä. Vermutlich ist Ihr Wunsch in dieser direkten Form eine Überforderung. Vielleicht würde es beiden Seiten helfen, wenn sie begehbare Brücken bauen. Laden sie ihren Sohn zu einem Fußballspiel ein, zu einer Bergtour bzw. zu irgendetwas, das Sie beide tun könnten und bei dem Sie auch beide Spaß haben. Männer tun sich mit reden oft leichter, wenn sie gemeinsam etwas unternehmen oder tun und dann so wie nebenher ins Gespräch kommen. Aus meiner Erfahrung gilt das für junge wie für ältere Männer.
Ihre Tochter ist natürlich in einer besonderen Situation. Da kommt zuerst das Kind, dann der Freund, dann die Mutter, bei der sie wohnt, und dann erst der Vater. Als junge Mutter hat für sie die eigene Mutter auch eine besondere Bedeutung. Diese Reihenfolge werden Sie vermutlich akzeptieren müssen. Das heißt aber nicht, dass Sie als Vater für die Tochter deshalb unwichtig wären. Töchter brauchen von den Väter vor allem die Bestätigung als Frau. Ich habe das Gefühl, dass Sie stolz darauf sind, wie Ihre Tochter ihre Situation bewältigt. Weiß sie das auch? Es tut einer jungen Frau nichts besser, als wenn der Vater stolz auf sie ist. Das stärkt sie und gibt ihnen Selbstbewusstsein als Frau. Vielleicht können Sie auch hier praktische Brücken bauen: konkrete Hilfe für die Schule oder den Beruf, Opadienste, Angebote zum Babysitten u.ä.
Es ist schön, wenn Sie sagen, dass sie die Kinder den eigenen Weg gehen lassen. Das ist die natürliche Entwicklung. Trotzdem brauchen sie den Vater weiterhin, auch wenn es manchmal den Anschein hat, es ginge nur um die materielle Unterstützung. Vermutlich geht es aber auch dann um mehr.
Noch etwas zum Schluss: Aus Ihren Zeilen geht für mich klar hervor, wie sehr Sie auch Ihre Kinder brauchen und ich finde es schön. Wissen das auch die Kinder? Oder haben Sie es nur mir anvertraut? Vielleicht gäbe es da auch noch etwas zu tun. Aber überfordern sie niemand, weder sich noch Ihre Kinder. Bauen sie Brücken, suchen sie Anlässe, unternehmen Sie etwas miteinander, das andere ergibt sich dann oft von selber.
Ich hoffe, dass für Sie etwas dabei war, das Ihnen weiterhelfen kann und ich wünsche Ihnen dabei alles Gute!

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