Die Partnerin trinkt

Meine Frau hat mich und meinen 16jährigen Sohn verlassen, weil ich der Meinung war, daß sie zu viel Alkohol zu sich nahm. Ich kenne als ehemals Betroffener die Problematik dieser Krankheit. Also auf mein Bestreben, ihren Konsum einzuschränken (weniger Geld, die Sucht vor anderen nicht mehr zu verheimlichen) ist sie dann vor einem Jahr ausgezogen. Ihre Schwester und Ihre Mutter haben sie aufgenommen. Beide glaubten mir nicht, daß ihre Verwandte trinkt und unterstützten sie. Meine Frau bekam von mir Unterhaltsgeld und hatte einen geringfügigen job. Nach dem Trennungsjahr stelle ich nun die Unterhaltszahlungen ein, und sie wird wohl Sozialhilfe beantragen müssen. Ich bin aber immer noch an einem Fortbestand unserer Ehe interessiert, immerhin sind wir 28 Jahre verheiratet, haben 2 Kinder und hatten in der ganzen Ehezeit nie einen größeren Streit. Ein Gespräch mit mir lehnt sie allerdings konsequent ab, warum sie so reagiert weiß allerdings niemand. Ich vermute, daß sie immer noch trinkt und sie befürchtet, ich würde das bemerken. Sogar den sozialen (Weiter)Abstieg nimmt sie dafür in Kauf. Vorher hatten wir ein ganzes Haus mit 6 Zimmern, jetzt hat sie 2 kleine Räume; vorher konnte sie über mein Einkommen komplett verfügen, jetzt muß sie mit unter 500 EUR auskommen. Meine Familie hätte gerne, daß wir wieder zusammen kommen und ich wüßte gerne, wie ich(wir)das bewirken können.
In Erwartung Ihrer Tipps grüße ich Sie recht herzlich

 

Sehr geehrter Herr,
vielen Dank für Ihre Anfrage, die Sie uns am Mittwoch geschickt haben. Ich werde jetzt auf das antworten, was bei mir – als Leser Ihres eMails – angekommen ist. Sie müssen dann selbst entscheiden, ob meine Vermutungen zutreffen und welche Tipps Ihnen hilfreich scheinen.
Nun gut: Ich lese in Ihrem Mail drei Sorgen, die Sie im Moment bedrücken. Erstens machen Sie sich Sorgen um Ihre Frau, die Ihrer Meinung nach ein Alkoholproblem und finanzielle Schwierigkeiten hat und sozial absteigt. Zweitens würden Sie gerne wieder mit Ihrer Frau zusammenkommen und drittens würden Sie gerne Ihrer Familie beweisen, dass Sie Ihre Beziehung retten können.
Ganz grundsätzlich frage ich mich an dieser Stelle: Warum betonen Sie, dass Ihre Familie gerne hätte, dass Sie wieder zusammenkommen? Auch wenn Ihre Familie das möchte, was für Sie nach wie vor „interessant“ ist: Lassen Sie die Familie aus dem Spiel. Wenn Sie und Ihre Frau beschließen, wieder zusammenzukommen, dann sollten Sie beide das tun, weil Sie selbst es möchten. Wenn Sie nun auch ständig im Hinterkopf haben, dass Ihre Familie das möchte, dann setzen Sie sich nur selbst unter Druck („Denen möchte/muss ich es beweisen…“) – und das ist mit ziemlicher Sicherheit nicht förderlich, wenn Sie versuchen Ihre Frau wieder zu gewinnen.
Zu Ihren anderen Sorgen möchte ich ganz pointiert folgende Feststellungen machen:(Ich stelle hier keine Behauptungen auf, ich greife nur die Informationen aus Ihrem Mail auf!)
Sie möchten Ihre Frau „wiederhaben“, aber keine Alkoholikerin. Ihre Frau ist Alkoholikerin.
Ihre Frau weiß das wahrscheinlich. Wenn Sie versuchen, mit ihr über Ihre Beziehung zu sprechen, dann weiß Ihre Frau auch, dass Sie versuchen werden, über ihre Krankheit zu sprechen. Denn das eine bedingt das andere: Sie wollen Ihre Frau, aber nur, wenn sie „trocken“ ist.
Dass Ihre Frau nicht mit Ihnen redet, könnte also zumindest zwei Gründe haben:
1) Sie möchte tatsächlich nicht mehr mit Ihnen zusammenkommen.
2) Sie ist zwar an einer Beziehung mit Ihnen interessiert, möchte aber im Moment nicht an Ihrer Krankheit arbeiten.
Ich denke, im Moment müssen Sie sich entscheiden: Wollen Sie mit Ihrer Frau wieder eine Beziehung, trotz Ihres Alkoholproblems? Wenn nicht, dann müssen Sie das wahrscheinlich akzeptieren.
Wenn ja, dann lassen Sie ihr am besten noch etwas Zeit. Versuchen Sie ihr mitzuteilen, dass Sie sie so akzeptieren wie sie ist. Dazu könnten Sie ihr vielleicht einen Brief schreiben. (Ich weiß nicht, ob sie das schon versucht haben – sonst fällt Ihnen sicher etwas anderes ein!)
Ich hoffe Ihnen mit meiner eMail fürs Erste einmal weitergeholfen zu haben. Sollten Sie weitere Fragen haben oder sollten durch diese Mail neue Fragen aufgetaucht sein, so können Sie sich gerne wieder an uns wenden.
Alles Gute!
Mit freundlichen Grüssen,

www.vordermann.at

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