"Ma irbt ned bloß Böda"

Veröffentlicht in der Kategorie Beziehungen, Geld, Vater sein, Werte und Sinn am 30. Juni 2015
MannsBilder 13,  Hg.: Männerbüros Vorarlberg und Augsburg

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Hg.: Männerbüros Vorarlberg und Augsburg

Das Erbe unserer Väter „Ma irbt ned bloß Böda“

In Vorarlberg gibt es einen weisen Spruch, der mir als allererstes eingefallen ist, wie ich mit dem Auftrag konfrontiert wurde etwas zum Thema „Das Erbe unserer Väter“ zu schreiben.
„Ma irbt ned bloß Böda“ (Man erbt nicht nur Grundstücke)
In diesem Satz sind zwei Kernthemen enthalten, die ich beide für wichtig erachte und nicht gegeneinander ausspielen möchte:

Ma (ver)irbt Böda – Materielle Erbe
Beim Durchstöbern des Internets zu den beiden Begriffen Erbe und Väter kommt vor allem der rechtliche/materielle Teil des Erbrechts zum Vorschein. Wer vererbt was an wen zu welchen Teilen?
Der Wunsch von vielen Vätern ist es das wirtschaftliche Erbe bestmöglich zu regeln und etwas von seinem Vermögen an die nächste Generation weiter zu geben, damit es ihnen gut geht. Das ist ein schönes Vorhaben und gar nicht so leicht.
Hier möchte ich eine zweite Vorarlberger Weisheit einfügen. Auf die Schilderung, wie gut sich die Geschwister untereinander verstehen, stellt ein Bekannter von mir gerne die Frage: „Hond ihr scho g’irbt?“ (Habt Ihr schon geerbt?).
Das Thema Erbe ist mit vielen Konflikten verbunden, gerade dann wenn darin eine Ungerechtigkeit enthalten ist oder als solche empfunden wird.
Ich durfte/musste diese Erfahrung schon als junger Mann von 18 Jahren nach dem Tod meines Vaters machen. Bei der zweiten Verhandlung haben wir dann nach einigen Zwistigkeiten doch noch eine Einigung erzielt, die für alle passte.
Gerade auf diesem Hintergrund bewundere ich es umso mehr, wenn es Menschen gelingt, das ihrige schon zu Lebzeiten gut zu regeln. Umgangssprachlich sagt man dazu: „Warm vererben“.

„Ma irbt ned bloß Böda“ – Ideelles Erbe
Neben dem materiellen Erbe gibt es noch vieles anderes, das Väter an ihre Kinder vererben. Die Kernbedeutung dieses Satzes „Ma irbt ned bloß Böda“ hat einen kritischen Beigeschmack. Wir übernehmen als „Erbe“ von unseren Eltern nicht nur die besten Eigenschaften, sondern auch so manche schwierige, die wir am liebsten von uns wegschieben möchten. Aber oft erkennen wir den Vater oder die Mutter in uns, wenn es uns gar nicht so recht ist.
Doch es gibt auch viel Wertvolles, dass Väter an ihre Kindern als „Erbe“ weitergeben: Zwei positive Erbstücke habe ich bei Felix Rohner Dobler in seinem Buch „Familien brauchen Väter. Ermutigungen und Rituale“ (2006 Köselverlag) gefunden:

Das größte Erbe, das größte Geschenk, das ein Vater an seine Kinder weiter geben kann ist sein Da-sein: „Der präsente Vater ist ein Präsent“: „Dabei geht es nicht so sehr um die quantitative Anwesenheit, sondern um die qualitative. Wenn der Vater mit Körper und Seele im Hier und Jetzt bei der Partnerin und beim Kind ist, wird er zum Geschenk für die ganze Familie“ (S 30f)
Gerade im ganz normalen „Wahnsinn des Alltags“ ist es gar nicht so leicht einfach da zu sein. Ich durfte zwar als Karenzvater quantiativ sehr viel Zeit mit meinen Kindern verbringen. Da ich in dieser Zeit aber auch den Haushalt schaukeln musste, weiß ich nicht ob ich in dieser Zeit mehr bei den Kindern „präsent“ war. Erst recht, wenn neben der Familie auch noch die Anforderungen von Beruf und den anderen Lebensbereichen hereinschwingen. Der Wunsch nach Präsenz und die Realität sind zwei verschiedene Dinge…

Im Schreiben habe ich dann die Frage in mir gespürt: Kann ich diesen Ansprüchen eines präsenten Vaters gerecht werden? Felix Rohner Dobler spricht in diesem Zusammenhang ein befreiendes Wort für Väter aus, das für mich ein zweites Erbstück ist: Ich muss kein perfekter sondern ein „hinreichend guter Vater“ sein: „Viele Männer möchten ein idealer oder sogar perfekter Vater sein. Doch in keiner Beziehung gibt es Perfektion. Der Wunsch nach Perfektion, also nach Vollendung, hat letztlich sogar etwas Lebensfeindliches, da es in der Perfektion keine Entwicklung und kein Wachstum mehr gibt.“ (S 38)

In meinem Artikel habe ich versucht (m)einen Blickwinkel auf das Thema „Das Erbe unserer Väter“ mit der Vorarlberger Brille „Ma irbt ned bloß Böda“ zu werfen. Ich bin davon überzeugt, dass es noch sehr viele andere Sichtweisen zu diesem Thema, noch viele andere Erbteile gibt.

Was ist dein / Ihr Erbe des Vaters?

Wolfgang Burtscher

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