Alles verloren, auch die Liebe – Wie geht es weiter?

Frage

Ich bin an einem Punkt angelangt, da weiß ich wirklich nicht mehr weiter. Ich habe mir auch lange überlegt, ob ich mich preisgeben sollte oder nicht. Schlußendlich muß ich was unternehmen, um wenigsten an eine Person meine Probleme loszuwerden. Es ist in den letzten 1 1/2 Jahren so ziemlich alles schief gelaufen, was man sich vorstellen kann. Das wahrscheinlich am schwerwiegendste war, daß ich meinen Arbeitsplatz mit 30.6.2000 verloren habe. Nun die gute Nachricht? Ich beginne am 2.5. d.J. wieder. Wo liegt das Problem, so mögen Sie sich fragen ? Während dieser Zeit der Arbeitslosigkeit und schon ca. 1 Jahr davor, denn ich wußte was auf mich zukommt, ist so ziemlich alles aus den Fugen geraten. Ich bin bald 45 Jahre Alt und nun mittlerweile 24 Jahre verheiratet und habe 2 Söhne im Alter von 18 und 8 Jahren.
Ich bin jetzt noch immer am überlegen, ob ich mir die Blöße geben soll oder nicht, denn insgeheim schäme ich mich für die Situation.
Ich habe, so glaube ich, meine Frau verloren. Nicht das wir fremdgehen oder dergleichen, aber ich habe ihre Liebe verloren und ich kann damit nicht mehr leben. Ich habe auch schon überlegt mir etwas anzutun, was mein Vater in diesem Alter gemacht hat. Doch ich bin zu FEIGE.
Ich weiß mir wirklich nicht mehr zu helfen und aus diesem Grund wende ich mich an Sie.
Soll ich aus dem Haus einfach ausziehen und wirklich alles hinter mir lassen. Ich habe die Möglichkeit, so glaube ich, aber ich kann und will nicht ohne meine Frau nicht sein. Ich will nicht von vorne anfangen und schon gar nicht mit einer anderen.
Ich bin an einem Punkt angelangt, wo ich mich fragen muß, was macht das Leben noch lebenswert, wenn man alles verliert?
Ich bin ein sehr großer Realist und schaue der Wahrheit in die Augen und deshalb bereitet mir das Ganze riesen Probleme. Ich habe eine große Verwandtschaft, aber eben diese Blöße nach außen zu tragen will ich nicht, denn ich war immer der Meinung, daß dies im eigenen Haus erledigt werden muß. Doch mittlerweile muß ich mich an Sie wenden, denn ich weiß wirklich nicht mehr weiter. Was soll ich tun, was kann ich tun und was will ich tun.
Ich kann auch einfach abhauen und alles hinter mir lassen, doch da habe ich riesige Probleme mit meinem Gewissen.
Ich will meine Frau nicht verlieren !!!!
Was soll ich noch schreiben ?

Antwort

Sehr geehrter Herr M.!

Aus Ihrer Anfrage wird deutlich, dass Sie große Probleme mit Sich tragen, Sich damit aber an niemanden wenden können. Sie wollen Sich nicht die Blöße geben, vor Ihrer Verwandtschaft über Ihre familiären Probleme zu reden, und das ist auch gut so. Wenn man mit seinen Problemen an jemanden herantritt, ist es sehr wichtig, dass man ausreichend Vertrauen hat, dass der oder die andere sorgsam damit umgeht. Wenn Sie dieses Vertrauen nicht haben, ist es auch notwendig, dass Sie Sich nicht der Gefahr aussetzen, von anderen verletzt zu werden. Sie haben geschrieben, dass in den letzten eineinhalb Jahren so ziemlich alles schief gelaufen ist, was man sich vorstellen kann. Das für Sie schwerwiegendste Problem, die Arbeitslosigkeit, wird zum Glück nur mehr kurz dauern. Ich kann mir vorstellen, dass das für Sie ein sehr großer Einschnitt in Ihrem Leben war, plötzlich ohne Aufgabe dazustehen. Wie haben Sie diese Zeit verbracht? Hatten Sie zu Hause zu tun? Und wie war der Kontakt zu Ihrer Frau in dieser Zeit? Da Sie geschrieben haben, dass Sie glauben, die Liebe Ihrer Frau verloren zu haben, nehme ich an, dass Sie Sich in der Zeit Ihrer Arbeitslosigkeit kaum gegenseitig unterstützen konnten. Vielleicht waren da auch Vorwürfe Ihrer Frau, vielleicht war da auch das Gefühl bei Ihnen, zu resignieren. Sie haben auch von Überlegungen geschrieben, Sich etwas anzutun, was Sie zum Glück nicht getan haben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es Zeiten im Leben gibt, in denen Menschen nur schwer ohne Hilfe von außen voran kommen. Manche Krisen übersteigen die Fähigkeiten eines einzelnen, sie zu überwinden. Man hat sich verrannt in seine Gedanken und Gefühle, ist darin gefangen wie in einem Strudel, der einen immer weiter hinab zieht. Da braucht es eine Hand, die einen aus dem Strudel herausholt. Mir erscheint Ihre Situation wie eine Sackgasse, in die Sie geraten sind, und der Retourgang läßt sich nicht einlegen. Aus dem Haus auszuziehen und alles hinter sich zu lassen hieße, das Auto einfach in der Sackgasse stehen zu lassen. Sie möchten „das Auto aber nicht stehen lassen“, denn Sie schreiben, dass sie Ihre Frau nicht verlieren wollen. Ich empfehle Ihnen, Sich an jemanden zu wenden, mit dem Sie über Ihre Situation ausführlich reden können. Vielleicht schreckt Sie dieser Vorschlag jetzt, da Sie der Meinung sind, dass solche Dinge innerhalb der Familie erledigt werden müssen. In diesem Punkt stimme ich auch mit Ihnen überein, doch meine ich, dass es nicht verkehrt ist, wenn man sich dabei unterstützen läßt. Manchmal braucht es eine Anregung von außen, damit man seine Angelegenheiten da klären kann, wo sie geklärt werden sollen, nämlich wie bei Ihnen in der Familie, mit Ihrer Frau. Für Unterstützung gibt es mehrere Möglichkeiten: Eine Möglichkeit ist es, Sich an einen Fachmann in einer Beratungsstelle (z.B. vom Institut für Sozialdienste oder das EFZ in Feldkirch) zu wenden. Das hätte den Vorteil, dass diese Person einerseits geschult ist, mit solchen Problemen umzugehen, andererseits unterstehen Mitarbeiter von Beratungsstellen der Schweigepflicht, was bedeutet, dass niemand davon erfahren würde, worüber Sie reden, ja nicht einmal, dass Sie Gespräche haben. Eine weitere Möglichkeit für Sie wäre die Telefonseelsorge, wo Sie rund um die Uhr anrufen können. Ihre Gespräche bleiben dort selbstverständlich auch anonym und unter Verschwiegenheit (Tel.Nr. 142, vom Festnetz ohne Vorwahl, vom Handy mit Vorwahl 05572). Nicht zuletzt biete ich Ihnen an, weiterhin mit mir in Kontakt zu bleiben. Diese Hürde haben Sie ja bereits genommen, und vielleicht fällt es Ihnen leichter, sich schriftlich mitzuteilen.
Ich hoffe auf jeden Fall, Ihnen geholfen zu haben.
Mit herzlichen Grüßen

www.vordermann.at

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