Hilft mir mein Psychotherapeut?

Frage

Sehr geehrte Damen und Herren, nach einer Verhaltenstherapie die vor etwa drei Jahren endete und die aus mir erst einen lebensfähigen Menschen machte und Umzug in ein neues Umfeld, fühlte ich mich nach einiger Zeit noch nicht zufrieden und begann daher nach Problemen mit Kollegen am neuen Arbeitsplatz eine Psychoanalyse. Diese dauert nunmehr schon 14 Monate an, hat bedauerlicherweise allerdings noch nicht einmal das Gefühl einer Verbesserung erreicht. Im Gegenteil, es geht mir zur Zeit sogar wesentlich schlechter (ohne, daß dies akute Auswirkungen der Therapie wären). Mein Therapeut spricht zwar beispielsweise aus, daß ich von anderen gemocht werden möchte und eine Aggressionshemmung habe, arbeitet mit mir aber in keinster Weise an diesem Thema. Den ausbleibenden Erfolg begründet er sieht er nicht als solchen, sondern hält den Verlauf der Therapie für normal. Man könne nicht sofort Erfolge erwarten, nur weil man intensiv an sich arbeitet. Mittlerweile fühle ich mich schwer depressiv und minderwertig, weil ich nicht mehr i. d. Lage bin, meine Meinung einigermaßen selbstbewußt zu äußern, und andere mich nieder reden und sich auf meine Kosten profilieren. Den mangelnden Therapieerfolg kann ich nicht auf schlechte Motivation meinerseits zurückführen. Soll ich den Therapeuten wechseln? Haben Sie vielen Dank für ihre Beantwortung!

Antwort

Sehr geehrter Herr!

Sie schreiben, dass Sie nach nunmehr 14 Monaten Psychoanalyse nicht das Gefühl haben, dass eine Verbesserung ihres Problems eingetreten wäre. Ihr Therapeut hält den Verlauf der Therapie für normal, Sie hingegen fühlen sich schwer depressiv und minderwertig.

Wenn Sie schreiben, dass es Ihnen zur Zeit sogar wesentlich schlechter geht als vor Beginn der Therapie, ohne dass dies direkte Auswirkungen der Therapie wären, so stellt sich mir die Frage, woran es Ihrer Ansicht nach liegt, dass es Ihnen jetzt schlechter geht? Woran merken Sie das im Alltag? Und was sagt Ihr Therapeut dazu? Ihr Therapeut hat zwar Themen benannt wie Ihren Wunsch, von anderen gemocht zu werden und dass Sie eine Aggressionshemmung haben, doch empfinden Sie es nicht so, als würde er an diesen Themen mit Ihnen arbeiten. Wie ist das für Sie?

Aus dem, was Sie geschrieben haben, geht nicht hervor, ob Sie ihm zustimmen bezüglich der Themen, die er benannt hat. Oder ist das vielleicht etwas, das er ausspricht, ohne dass Sie genau verstehen, was er damit meint? Wie sollte Ihr Therapeut Ihrer Meinung nach an diesen Themen arbeiten, sodass für Sie ein Vorankommen in der Therapie ersichtlich wird? Woran würden Sie im Alltag, außerhalb der Therapie, merken, dass in diesen Bereichen eine Verbesserung eingetreten ist? Was genau wäre denn überhaupt eine Verbesserung für Sie? Ich weiß nicht, ob Sie Sich solche Fragen nicht selbst schon gestellt haben. Wenn Sie mir ausführlicher darüber schreiben möchten, stehe ich Ihnen jederzeit für weitere Anfragen zur Verfügung. Sie können meine Fragen aber auch als Anregungen verstehen, die Ihnen vielleicht in Ihren Überlegungen zu Ihrer Therapie weiterhelfen.

Dass Sie zur Therapie motiviert sind, steht für mich außer Zweifel. Was aus Ihrer Anfrage nicht deutlich wurde, ist, wie Sie mit Ihrem Therapeuten über diese Fragen reden. Ein wesentliches Mittel in der Psychotherapie ist die Beziehung zwischen Klient und Therapeut. Wenn Sie Fragen, Zweifel, Unklarheiten usw. haben, reden Sie mit Ihrem Therapeuten darüber. Sprechen Sie mit ihm darüber, wenn Sie überlegen, den Therapeuten zu wechseln. Selbstverständlich kann es sein, dass Ihr Therapeut Ihnen in Ihrer derzeitigen Situation mit Ihren speziellen Fragestellungen nicht weiterhelfen kann. Wenn Sie den Therapeuten wechseln, rate ich Ihnen jedoch, sich vorher gemeinsam mit Ihrem jetzigen Therapeuten genau zu überlegen, was konkret Sie von einem Psychotherapeuten brauchen und was Sie bei ihm nicht bekommen konnten. Vielleicht kann er Ihnen auch einen anderen Therapeuten empfehlen.

Grundsätzlich kann ich zum Verlauf einer Psychotherapie sagen, dass manchmal der Eindruck entsteht, dass sich das Problem verschlimmert anstatt verbessert. Das kann daran liegen, dass Sie während der Therapie sensibler, „dünnhäutiger“ werden, dass sich Ihr Blick auf Sich selbst schärft und dadurch auch das schwierige in den Vordergrund rückt. Vielleicht versuchen Sie einmal, eine Bestandsaufnahme anhand von Alltagssituationen zu machen. Sehen Sie sich Situationen aus der jüngeren Vergangenheit an, in denen es Ihnen im Sinne Ihrer Problemlage nicht gut gegangen ist und vergleichen Sie diese mit ähnlichen Situationen aus der Zeit vor Beginn der Psychoanalyse. Vielleicht können sie einen Gradmesser für Ihre Befindlichkeit erstellen, z.B. mit Hilfe einer Skala von 1 bis 10, auf der Sie Ihr Wohlbefinden angeben, oder anhand von körperlichen Zeichen wie Druckgefühl in der Brust oder ähnlichem.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen. Wenden Sie Sich jederzeit wieder an uns, wenn sich weitere Fragen für Sie ergeben haben.

Mit freundlichen Grüßen
www.vordermann.at

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