Folter für Mutti

Nach einem langen Arbeitstag schaltet Mann vergangenen Montagabend den Fernseher ein; und bleibt bei einer SpiegelTV-Reportage auf Puls 4 über gelungene und misslungene Entführungen hängen. Der rote Faden in der Doku: Aus Mutterliebe darf man seine Kinder entführen.

Zu Beginn erzählt die deutsche Frau von ihrer Ehe. Das Hauptproblem war ihrer Ansicht nach, dass ihr Mann mehr mit seiner Mutter als mit ihr verheiratet gewesen sei. Sie lebten alle im selben Haus. So kam irgendwann das, was unvermeidbar schien: Die Trennung.

Die Frau zog daraufhin mit ihren beiden Kindern in ein anderes Bundesland innerhalb Deutschlands um. Als ein Brief vom Gericht kommt, dass sie die Kinder in ihr gewohntes Umfeld zurück bringen müsse, beginnt die Odyssee. Aus Angst davor, das Obsorgeverfahren zu verlieren, wie sie angibt.

Aus Mutterliebe

Sie packt ihre Kinder und beginnt eine vierjährige Reise durch Deutschland. Aus Mutterliebe, wie der Sprecher aus dem “Off” attestiert. Sie wechselt ihre Identität, fälscht Dokumente, zieht mehrmals um, heiratet unter falscher Identität erneut, dreht mit den Kindern um, wenn sie die Polizei sieht. Die Kinder erzählen in der Reportage, dass sie niemandem was erzählen hätten dürfen. Der kleinere Bruder wird der größeren Schwester als Aufpasser zur Seite gestellt. Weil sie etwas redsamer war.

Sie fürchten sich davor, dass die Polizei die Mutti holt, und sie sie dann nie wieder sehen würden. Und dass sie dann zurück zum Vati müssten. Der Sohn, der bei der Trennung – laut TV-Bildern von mir geschätzte – eineinhalb Jahre gewesen sein dürfte, glaubt sich daran zu erinnern, wie der Vati ihn immer gegen die Mutti aufbringen wollte. Die Instrumentalisierung und Beeinflussung durch die Kindsmutter ist offensichtlich.

Nach vier Jahren fliegt der Schwindel auf. Die Mutter wird verhaftet, kommt aber nach einem guten Monat auf Bewährung frei. Im Interview bezeichnet sie es als Folter, dass sie ihre Kinder während der Zeit in U-Haft nicht sehen durfte.

Das Gericht ordnet den „Umgang“ der Kinder mit dem leiblichen Vater an. Doch als sich herausstellt, dass es keine Beziehung mehr gibt, verbietet das Gericht den Umgang wieder und erteilt der Mutter die alleinige Obsorge. Die Mutter bezeichnet das Ergebnis nach all den Jahren als „schönen Erfolg“. Und ihre Mutter wiederum attestiert ihrer Tochter, dass wohl jede andere Mutter auch so gehandelt hätte. Das bleibt unwidersprochen und unkommentiert so stehen.

Das Monster

Mann sitzt vor dem Fernseher und schaut fassungslos zu. Er fragt sich kurz, ob nicht ein Vater, der so gehandelt hätte, in derselben Doku als „Monster“ dargestellt worden wäre.

Was diese Frau ihren Kindern angetan hat, werden diese wahrscheinlich ihr Leben lang spüren. Dass sie in einer Reportage als aufopferungsvolle Mutter dargestellt wird, die in dieser Zeit „24 Stunden Mutter war, ohne Pause“ (O-Ton), könnte ja geradewegs zur Nachahmung verleiten. Denn viele Menschen haben in Österreich jeden Tag Angst, dass sie die Obsorge verlieren – und in den meisten Fällen sind es Väter, die davor berechtigt Angst haben müssen.

Zum Glück gibt es nicht viele Eltern, die so handeln, wie diese Frau gehandelt hat. Viele versuchen, trotz aller Widrigkeiten, auf ihre Kinder Rücksicht zu nehmen. Manche schaffen es auch, ihre Kränkungen zum Wohle der Kinder außen vor zu lassen. Sie sind es, die als Helden und Heldinnen dargestellt werden sollten.

Martin A. Fellacher, DSA

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