Selbstüberschätzung: Das Phänomen der Überflieger

Quelle: (https://karrierebibel.de/selbstueberschaetzung/)

Ich kann das… Ich weiß das… Ich bin der Beste…Selbstüberschätzung ist ein weit verbreitetes Phänomen. Und ob Sie es glauben oder nicht: Die Chancen stehen gut, dass auch Sie Ihr Selbstbild gerne mal beschönigen. Doch woher kommt der Drang, sich selbst in ein besseres Licht zu rücken? Und noch wichtiger: Welche Auswirkungen hat die Selbstüberschätzung auf das tägliche Leben? Eins ist klar: Treffen solche Ansichten und Selbstüberschätzer aufeinander, sind Konflikte programmiert, weil am Ende des Tages jemand einsehen muss, dass er vielleicht doch nicht so gut ist, wie er oder sie angenommen hat. Im Extrem bringt die Selbstüberschätzung echte Gefahren mit sich…

 

DEFINITION: WAS IST SELBSTÜBERSCHÄTZUNG?

Im Grunde handelt es sich bei der Selbstüberschätzung um eine übertrieben positive Fehleinschätzung der eigenen Fähigkeiten oder die Annahme der eigenen Überlegenheit gegenüber anderen. Psychologen sprechen dabei auch von einer kognitiven Verzerrung der Wahrnehmung. Der oder die Betroffene glaubt, mehr zu können, länger durchzuhalten oder größeren Einfluss zu haben, als das tatsächlich der Fall ist.

Damit ist die Selbstüberschätzung eine nahe Verwandte der Arroganz. Entsprechend neigen nicht wenige Betroffene dazu, Erfolge ausschließlich sich selbst, Misserfolge hingegen den Umständen (oder anderen) zuzuschreiben.

Neu ist diese Ego-Falle allerdings nicht. Schon in der griechischen Mythologie wird das Phänomen bei Ikarus beschrieben: Weil der auf der Insel Kreta gefangen gehalten wurde, bastelte er sich einen Flucht- und Flugapparat aus Federn und Wachs. Weil er aber damit zu hoch hinaus wollte, kam er der Sonne zu nah. Folge: Das Wachs schmolz, Ikarus stürzte ins Meer. Hochmut kommt vor dem Fall.

Der Mythos zeigt aber zugleich: Der Glaube an uns selbst ist wichtiger Teil der eigenen (Über-)Lebensstrategie. Ohne diese Überzeugung gäbe es kaum Fortschritte, noch Erfolge. Der Haken: Die Grenze zur Selbstüberschätzung verläuft fließend.

Selbstüberschätzung ist ein Massenphänomen. Egal, ob es sich um einen Intelligenztest, die Leistungen am Arbeitsplatz oder das Talent beim Autofahren geht: Die Mehrheit ist davon überzeugt, besser zu sein als der Rest.

Manche argumentieren dabei, dass die Selbstüberschätzung letztlich nur das Selbstbewusstsein stärke. Doch auch das ist ein Kurzschluss. Zu wirklichem Selbstbewusstsein gehört nun einmal, die eigenen Fähigkeiten realistisch zu beurteilen. Erst dann führt es auch zu echtem Selbstvertrauen. Der Selbstüberschätzer hingegen bleibt in seinem Inneren stets unsicher und ahnt den Selbstbetrug.

Man verirrt sich leicht, wie wenn man glaubt, den Weg zu kennen.

 

DIE 2 URSACHEN DER SELBSTÜBERSCHÄTZUNG

  1. Zum Einen hat das mit unserer Gesellschaft zu tun: In der Schule, im Job, im Sport geht es häufig nicht nur um Leistung, sondern auch um Wettbewerb. Die Menschen stehen in ständiger Konkurrenz zueinander. Teilweise sogar in der Nachbarschaft (Wer hat das größere Haus, das neuere Auto…?). Es ist in unserem Bewusstsein verankert, immer besser, schneller oder schlauer zu sein als andere, um uns durchzusetzen. Also hilft unser Gehirn uns gerne einmal auf die Sprünge und gibt den eigenen Fähigkeiten einen kleinen Bonus, um den hohen Anforderungen gerecht zu werden. Umgekehrt nagt es am Selbstbewusstsein, sich einzugestehen, dass die eigenen (schulischen oder auch beruflichen) Talente bestenfalls durchschnittlich sind. Für viele kommt das einem Eingeständnis der eigenen Unzulänglichkeit gleich.
  2. Die zweite Ursache für unsere Selbstüberschätzung ist schnell zusammengefasst: Weil es sich lohnt. Wer seine eigenen Leistungen in den Himmel lobt, kann damit zwar sein Umfeld in die Nähe eines Nervenzusammenbruchs treiben, fährt selber in vielen Fällen aber ganz gut damit. Zwar dürfte es die geschönte Selbstwahrnehmung gar nicht geben, weil sie eher früher als später in den Untergang führt. Tatsächlich aber ist die kognitive Verzerrung Teil der natürlichen Selektion, sagen zum Beispiel die Wissenschaftler James Fowler und Dominic Johnson von der Universität von Kalifornien in San Diego. Sie konnten in Ihren spieltheoretischen Versuchen zeigen, „dass sich Selbstüberschätzung gegenüber einer realistischen Selbstanalyse oft durchsetzt“. Wie bei einem Gorilla, der sich auf die Brust trommelt, um Stärke zu demonstrieren und so den kräftezehrenden Kampf zu vermeiden, soll die Selbstüberschätzung Kontrahenten einschüchtern, um das Objekt der Begierde möglichst kampflos zu gewinnen. Zugleich macht sie die Betroffenen ehrgeiziger und mutiger – und in der Folge erreichen sie tatsächlich mehr.

 

DIE 3 TRICKS ZUR REALISTISCHEN SELBSTEINSCHÄTUNG

Es liest sich einfach durch, die Umsetzung und der Weg ist nicht einfach und braucht  vor allem eines: Zeit! Drei Schritte etwas gegen die Selbstüberschätzung zu unternehmen:

  1. Hinterfragen Sie sich selbst Kann ich das wirklich?
    Diese Frage sollten Sie sich immer wieder stellen und ehrlich (!) beantworten. Es ist leicht, dem Irrglauben zu verfallen, etwas besonders gut zu können. Wenn Sie Ihre Fähigkeiten hingegen regelmäßig hinterfragen und ehrlich beurteilen, befindet sich Ihr Selbstbild näher an der Wirklichkeit.
  2. Holen Sie sich Feedback
    Für eine realistische Selbsteinschätzung sollten Sie sich regelmäßig Feedback von Ihrer Familie, von Freunden oder Kollegen einholen. Bitten Sie diese um eine ehrliche Meinung zu Ihren Fähigkeiten und vergleichen Sie dieses Fremdbild mit Ihrer eigenen Wahrnehmung. Treten hier größere Unterschiede auf, haben Sie einen guten Anhaltspunkt, wo Sie selbst womöglich schönfärben.
  3. Gestehen Sie sich Fehler ein
    Der wichtigste Schritt ist, sich selbst einzugestehen, nicht alles zu wissen oder zu können und nicht perfekt zu sein. Das ist leichter gesagt, als getan – vor allem vor Publikum. Zu den eigenen Schwächen zu stehen, ist aber ein wichtiger Teil der charakterlichen Reife. Nur so gelangen Sie zu einem gesunden Selbstbild. Kein Mensch besteht nur aus Stärken.

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